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Rezension: „Water & Air“ von Laura Kneidl

Heute gibt es eine Rezension zu dem neuen Buch von Laura Kneidl: „Water & Air“ beschäftigt sich mit einer tollen und durchaus realistischen Idee der Zukunft der Menschheit.

Die Menschen leben nach einer Überschwemmung entweder in riesigen Würfeln in der Luft oder in Kuppeln am Meeresgrund. Zwischen den verschiedenen Kolonien gibt es nur wenig Austausch.

Kann Laura Kneidl diese Welt zum Leben erwecken und dabei ihre Protagonistin Kenzie wirklich zum Leben erwecken? Und welche Denkanstöße liefert sie für eine dystopische Welt?

All das besprechen wir jetzt! 😀


Bibliographische Daten.png

  • Autor: Laura Kneidl
  • Genre: Dystopie, Sci-Fi
  • Verlag: Carlsen
  • Seitenzahl: 474 S.

Kurzbeschreibung

Seit dem Anstieg der Meeresspiegel leben die Menschen in Kuppeln unter Wasser oder in der Luft. Mit ihren achtzehn Jahren hat Kenzie noch nie die Sonne gesehen und ihr Leben in der Wasserkolonie unterliegt strengen Normen. Schließlich hält sie es nicht mehr aus und flieht in eine Luftkolonie, um dort einen Neuanfang zu wagen. Doch dann wird sie zur Hauptverdächtigen in einer mysteriösen Mordserie und nur Callum mit dem geheimnisvollen Lächeln hält zu ihr. Aber nicht nur den beiden droht Gefahr, auch das Schicksal der gesamten Kolonie steht auf dem Spiel.


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Vielen Dank an den Carlsen-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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POSITIV

  • Kenzie – eine wunderbare und starke Protagonistin

Ich liebe es, wenn Protagonistinnen für sich selbst einstehen und stark und unabhängig sind. Und genau das ist Kenzie!

Sie steht für sich selber ein, braucht niemanden, der sie rettet und macht immer nur das, was ihr richtig erscheint. Sie geht Risiken ein und lässt sich nicht verbiegen.

Außerdem ist sie sich selbst bewusst, dass sie manchmal schlimme oder egoistische Dinge tut, dass sie nicht perfekt ist und durchaus nicht immer richtig liegt..

Das macht Kenzie für mich zu einer wirklich starken Frau, die zwar mit Gewissensbissen zu kämpfen hat, sich aber für sich selber einsetzt und niemals aufhört, helfen zu wollen und ihre eigenen Träume zu verwirklichen.

Ein echtes Vorbild und auch nicht zu einer reinen Heldin stilisiert, sondern in manchen Fällen durchaus auch eine Antiheldin! Sehr schön gemacht!

  • Das Prinzip der Wasser- und Luftkolonien

Der Grundstein dieses Romans ist die Idee der Wasser- und Luftkolonien, welche wirklich spannend ist. Denn nach der Überschwemmung der ganzen Welt ist es den Menschen nicht mehr möglich, auf der Erde zu leben und sie müssen sich entweder in Kuppeln am Meeresgrund oder mit großen Glaswürfeln über der Meeresoberfläche arrangieren.

Dass diese Kolonien sich natürlich auch noch ganz anders entwickelt haben und ganz anders funktionieren, ist klar. Daher ist der Kontrast zwischen den Kolonien klar zu sehen, immer wieder cool und eigentlich auch erschreckend, zu welchen beiden Extremen die Menschheit fähig ist.

Die Idee und das Konzept hat mir sehr gut gefallen!

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  • Eine tolle Liebesgeschichte

Hach ja, Kenzie und Callum…die beiden waren schon süß! Man hat vom ersten Moment an gesehen, was für ein tolles Power-Couple die beiden werden könnten.

Die Zuneigung zu den beiden wurde authentisch dargestellt und hat sich daher auch immer wieder selbst bewiesen, was als Leser sehr viel Spaß gemacht hat!

Man hat förmlich gespürt, wie die beiden sich immer besser kennen lernen und durch die Umstände, die ja doch hart sind, auch immer weiter zusammenrücken.

Auch die Unterschiede der beiden und die Tatsache, dass sie sich niemals bevormunden wollen, sondern alles ausdiskutieren, waren sehr schön anzusehen.

Natürlich kommen die beiden auch nicht ohne ein wenig Drama aus, aber das gehört nun mal dazu 😀

  • Spannender Entwurf von Gesellschaften

Wir erfahren generell mehr von der Luftkolonie, weil wir auch mehr vom Buch in dieser verbringen, aber gerade der in Kenzie vereinte Kontrast zwischen der Wasserkolonie und der Luftkolonie war sehr spannend!

Während nämlich die Wasserkolonie weitgehend sozialistisch funktioniert und jeder arbeitet, damit es der Kolonie gut geht und kein Geld existiert, gibt es in der Luftkolonie ein kapitalistisches und demokratisches System, welches dafür sorgt, dass es verschiedene Klassen gibt, die unterschiedlich gut leben und man seinen Lebensunterhalt verdienen muss.

Das heißt aber auch, dass sich aus beiden ein großer Nachteil ergibt: In der Wasserkolonie dürfen Frauen nur gewisse Berufe ausüben, damit sie noch Mütter bleiben können (Sexismus, right here my friends!) und in der Luftkolonie gibt es auch einige Probleme, die ich nicht spoilern möchte.

Man sieht also: Die beiden Entwürfe widersprechen sich ziemlich, dementsprechend finde ich die Skizze dieser wirklich spannend!

  • Leichtes und schnelles Lesen

Wenn es eins gibt, was man Laura Kneidl nicht vorwerfen kann, ist es, dass man sich in irgendeiner Weise durch ihre Bücher quälen müsste. Sie sind wunderbar leicht und flüssig geschrieben, aber trotzdem entbehrt das keinerlei Spannung, man fühlt sich immer mitten im Geschehen, es gibt keine Plotholes, keine Durststrecken, es folgt immer spannende Szene auf spannende Szene!

Daher bin ich durch dieses Buch auch durchgeflogen, was mir unendlich viel Spaß gemacht hat!

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NEGATIV

  • Probleme mit dem Weltenbau

*seufz* So spannend wie diese innovative Idee auch war: Sie wurde fast nie vernünftig erklärt. Fast nie.

Mich hätte echt interessiert, wie die Kuppel unter Wasser unter dem Druck nicht zusammenbricht, wie man ständig neuen Sauerstoff unter die Kuppel bekommt, wie man ohne natürliches Sonnenlicht Dinge züchten kann? Wie können die Menschen unter diesem Druck am Meeresgrund überhaupt leben? Und wie ist das, wenn sie außerhalb der Kuppel arbeiten? Das ist alles ziemlich hoch entwickelte Technologie und trotzdem verhielten sich alle Menschen so, als würden sie vor der industriellen Zeit leben

Genau dasselbe gilt in der Luftkolonie. Wie genau kriegt man einen Glaswürfel mit dreißig tausend Menschen dazu, in der Luft zu schweben? Wie bestellt man dort Felder? Wie kann man produzierte Güter durch die Ebenen bewegen? Gibt es nicht Probleme mit der Geradestellung des Würfels? Muss es nicht Einschränkungen geben, wie viel Gewicht auf jeweils einem Fleck verteilt sein darf?

Und, ganz wichtig! (SPOILER!) Das Land! Es gibt Land? Ich dachte, das sei nicht mehr vorhanden, warum sollte man sonst in Kolonien flüchten? Wenn das Land nicht mehr bewohnbar ist, dann sollte doch klar sein, dass es wesentlich einfacher ist, Land wieder fruchtbar zu machen, als etwas ganz Neues am Meeresgrund oder unter der Wasseroberfläche aufzubauen! Man sollte doch meinen, dass die Anstrengungen, um die Kolonien aufrechtzuerhalten, größer sind, als einfach wieder auf das Land zurückzukehren, oder?

Das sind alles ungeklärte Fragen, die ich sehr gerne beantwortet gehabt hätte, so fehlt mir einfach was…aber vielleicht spricht da auch einfach nur der Wissenschaftsnerd aus mir! 😀

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  • Zu schnelle emotionale Entwicklung und emotionale Kälte

So sehr ich Callum und Kenzie auch mag, ich fand ihre Entwicklung einfach viel zu schnell und manchmal auch zu emotionslos. Ich weiß nicht, wie das passiert ist, aber irgendwie konnte ich einfach nicht mit den beiden mitfiebern, konnte stellenweise auch gar nicht die Anziehung zwischen den beiden verstehen.

Außerdem hatte ich bei manchen Stellen einfach immer wieder das Gefühl, dass einfach herunter geschrieben wurde, ohne wirklichen Plan dahinter, obwohl es natürlich einen Plan gegeben hat.

Aber auch die Beziehung zwischen Noel und Kenzie, sowie Nilam und Kenzie konnte ich irgendwie zu keinem Zeitpunkt wirklich ernst nehmen und wirklich verstehen.

  • Das Ende (SPOILER! DUH!)

Sorry, aber was war das denn? Auf einmal geht alles den Bach runter und irgendwie interessiert es niemanden!

Quasi alle sterben einfach so, ohne, dass es irgendwen juckt, die Ordnung wird innerhalb von Sekunden wieder hergestellt und irgendwie ist die gesamte Logik abhanden gekommen. Außerdem wird jemand zum Mörder und das geht einfach spurenlos an ihm vorbei, gefühlt ist das ziemlich nebensächlich.

Das Ende war einfach sehr komisch, hat nicht wirklich zu der Geschichte gepasst und eni gewiefter Ausweg wäre mir viel lieber gewesen, als diese Brutalität, die großteils weder eine Wirkung noch einen Sinn hatte.

Sehr schade.


fazit

Laura Kneidl hat hier eine spannend gestaltete Dystopie geschaffen, die auf einer durchaus realistischen Idee basiert. Allerdings hat diese Welt einige Probleme, angefangen von der Erklärung der Entstehung, bis hin zur verwendeten Technologie. Allerdings tragen die tollen Charaktere mit ihren eigenen Problemen und Herausforderungen durch die Geschichte, die sich schnell und einfach lesen lässt und dadurch eine tolle Atmosphäre schafft. Auch, wenn ein spannender Entwurf der verschiedenen Gesellschaften geschaffen wird, wurde auf den eigentlichen Plot ein wenig zu wenig Fokus gelegt. Ein durchaus empfehlenswertes dystopisches Jugendbuch!

Tintenkleckse_3.5

3,5 von 5 Tintenklecksen!

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Ein Kommentar zu „Rezension: „Water & Air“ von Laura Kneidl

  1. Guten Morgen.
    Ich kann dir bei den Kritikpunkten nur zustimmen ich fand es ebenfalls viel zu schnell und emotionslos trifft es schon ganz gut. Da hatte ich mir leider mehr erwartet.

    Liebe Grüße
    Chrissi

    Gefällt mir

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