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Rezension: Die vielen Leben des Harry August

Kurzinfo:

  • Autor: Claire North
  • Genre: Roman, Sci-Fi
  • Verlag: Lübbe
  • Seitenzahl: 496 S.

Kurzbeschreibung:

MANCHMAL IST EIN LEBEN NICHT GENUG, UM DIE WELT ZU RETTEN!

Harry August stirbt. Mal wieder. Es ist das elfte Mal, dass Harrys Leben ein Ende findet. Und er weiß genau, wie es weitergehen wird: Er wird erneut im Jahr 1919 geboren werden. Mit all dem Wissen seiner vorherigen Leben. Harry hat akzeptiert, dass er in dieser Zeitschleife festhängt, auch wenn er nicht weiß, wieso … Doch dann steht plötzlich ein junges Mädchen an seinem Sterbebett und überbringt ihm eine erschütternde Botschaft: Der Untergang der Welt steht bevor! Und das auslösende Ereignis findet vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts statt. Harry, der bald wieder im Jahr 1919 sein wird, muss nun nicht weniger tun, als diese Zukunft zu verhindern …

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Eigene Meinung:

Hallo und herzlich Willkommen zur ersten Rezension im neuen Jahr!

„Die vielen Leben des Harry August“ habe ich durch Zufall in meiner Buchhandlung entdeckt und das Cover hat mich einfach magisch angezogen!

Schon allein die Idee hat mich unfassbar gefesselt!

Harry August wird immer wieder im Jahr 1919 geboren, allerdings behält er alle seine Erinnerungen aus seinen früheren Leben. Wenn das mal keine coole Idee ist!

Der Roman ist in einem Brief verfasst, den Harry August an jemanden schreibt. An wen, müsst ihr selbst herausfinden 😀

Denn an seinem Sterbebett in seinem 11. Leben erklärt ihm ein kleines Mädchen, dass die Welt immer schneller zu Grunde geht und das die Anfänge davon in seiner Lebensspanne liegen. Also ist es an Harry den Weltuntergang zu verhindern.

Ich fand das Buch großartig!

Zu Beginn schildert Harry August seine bisherigen Leben, aber nicht chronologisch, sondern er springt immer wieder zwischen verschiedenen Lebensabschnitten und Begegnungen hin und her, was manchmal ein wenig verwirrend sein kann, aber großteils sehr spannend gestaltet ist.

Was mich sehr überrascht hat, ist, dass man irgendwann auch in die Denkmuster von Harry August verfallen ist und das Leben nicht mehr als etwas einmaliges betrachtet, sondern als etwas, was sich unendlich oft wiederholt.

Dieser Gedanke und die Gleichgültigkeit gegenüber dem Tod waren ganz anders, als man es gewohnt ist und erschreckend und intelligent zugleich.

Wo wir gerade von Intelligenz sprechen: Ich habe selten ein so hohes sprachliches Level bei einem Buch gesehen.

Es ist alles mit einem Witz und einer Intelligenz geschrieben worden, die mich fast umgehauen haben.

Jedem Satz kann man entnehmen, dass er mit weiser Voraussicht dort platziert wurde und dementsprechend hat fast jeder Satz eine Besonderheit und eine spezielle Note, was wirklich wahnsinnig selten anzutreffen ist.

Es gibt in diesem Buch eine Stelle, an der Harry August und einer seiner Schüler – denn in einem Leben war Harry August Dozent der Physik an einer Universität – über die Beschaffenheit des Universums und über Physik an sich und ihre Bedeutung sprechen. Diese ist mit so viel Intelligenz und trotzdem so verständlich geschrieben worden, dass ich einfach nur meinen nicht vorhandenen Hut ziehen kann und sagen kann: Chapeau!

Generell hat dieses Buch eine ganze Bandbreite an Themen, die es anspricht.

Zum einen wäre da die Wissenschaftsethik: Wofür ist die Wissenschaft da? Was ist ihr Ziel? Wie weit darf sie zur Erreichung dieses Ziels gehen?

Zum anderen gibt es aber auch die Thematik, ob sich der Mensch einem Gott annähern darf. Versteht mich nicht falsch, dieses Buch ist in keiner Weise missionarisch oder gottesfürchtig. Die Frage, die die Autorin sich stellt ist ganz simpel: Sind wir Gott? Und noch viel wichtiger: Werden wir zu Gott, nur weil wir alles wissen?

Ist allwissend das Prädikat, was Göttlichkeit garantiert? Und was bringt diese Allwissenheit mit sich?

Und das alles vermittelt das Buch, ohne in philosophische Exzesse abzugleiten, oder dem Leser bestimmte Meinungen aufzuzwingen.

Das finde ich sehr faszinierend.

Und gleichzeitig beschreibt noch ein anderes Adjektiv mit F dieses Wort ganz gut: Fesselnd.

Denn ich habe diesen 500 dicken Roman innerhalb von 2 oder 3 Tagen durchgelesen. Das ist an sich ja erstmal nichts ungewöhnliches, aber aufgrund der doch anspruchsvolleren Sprache ist es doch ein ganzes Stück Arbeit gewesen. Dieses Buch lässt sich auf keinen Fall einfach so weglesen.

Es erfordert schon etwas Gehirnschmalz. Aber wenn man den mitbringt, dann ist es wirklich ein Vergnügen dieses Buch zu lesen.

Was mich überrascht hat, ist Folgendes: Es gibt einen absolut fließenden Übergang zwischen der „Vorgeschichte“ und dem eigentlichen „Plot“ der Geschichte. Ich habe auf etwa Seite 300 gemerkt: Hoppla! Ich bin ja schon mittendrin!

Das ist mir gar nicht aufgefallen!

Und das hat mir wirklich super gefallen! Wenn dieser Übergang so fließend ist und es gar nicht erkennbar ist, wo Vorgeplänkel und Hauptstory sich abgrenzen, und man sich so in der Geschichte verliert, dann ist es wirklich eine absolut großartige Geschichte!

Mein einziger Kritikpunkt sind einige kleine Längen, um die man aber nicht herumkommt, wenn man eine Zeitspanne von etwa 800 Jahren beschreibt 😀

Fazit:

Ein wunderbares Science Fiction Buch, das mit einer tollen Idee aufwartet und diese wunderbar umsetzt. Ein intelligenter und spezieller Schreibstil, der Freude macht und eine tolle Geschichte. Das Ende hat mir übrigens sehr gut gefallen und hat alles repräsentiert, was eine gute Geschichte braucht! 4,5 Tintenkleckse von mir!

Tintenkleckse_4.5

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2 Kommentare zu „Rezension: Die vielen Leben des Harry August

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